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Posaunentag 2010 in Wiesbaden – Bericht

Erd und Himmel sollen klingen

Erd und Himmel sollen klingen
Der Posaunentag in Wiesbaden

Lang war er erwartet worden. Wir hatten uns in den Proben darauf vorbereitet, die Anreise organisiert und nun gings los. Für posaunentagserfahrene „alte Hasen“ mit Vorfreude auf ein Großevent und für die Jungbläser mit Spannung, was sie wohl erwarten würde.

Etwas Sorge machte uns noch das Wetter, denn der Himmel weinte bei der Abfahrt. Aber schon beim Einblasen im geräumigen Gemeindehaus der Marktkirche waren die Sorgen mit den Wolken verflogen und der Himmel heiterte sich auf. Dann ging es zügig zur Sache, denn der zeitliche Ablauf passte perfekt. Wir waren zum 12-Uhr-Läuten aufgestellt und bereit.

Da in Wiesbaden nicht nur Posaunentag sondern auch Herbst- und Kunsthandwerkermarkt stattfanden, waren reichlich Menschen unterwegs, die uns hören konnten, vorab informiert von den Stelzenläufern des Kinderzirkus, die für das Posaunenwerk Werbung liefen. Das Carillon (Turmglockenspiel) der Marktkirche spielte nun mit uns im Wechsel (und teilweise wurde angeregt diskutiert, was das ist, wie es funktioniert und wie man es spielt). So gab es Musik von oben und unten und setzte das Motto des Posaunentags „Erd und Himmel sollen klingen“ wunderbar um.
Dabei beschränkten wir uns nicht nur auf das klassische Instrumentarium, sondern zeigten, dass man auch mit Vuvuzelas, Fasstrommeln und Holzstöcken Musik machen kann. Unser Abschluss bildete der vor allem auch von unseren Jungbläsern immer wieder gern gespielte „Chinese Rock“ von Jürgen Hahn, der am Nachmittag auch einen eigenen Workshop leitet.

Nach der gelungenen Eröffnung zogen wir um zur Lutherkirche und nahmen dort am ersten (und vor allem auch bei den Jungbläsern) sehr beliebten Workshop „Hunger“ teil. Eigentlich hätte der „Sättigung“ heißen müssen, denn hungrig ist keiner wieder aufgestanden.

Dann begann die eigentliche bläserische Arbeit: Wir verteilten uns auf die verschiedenen Workshops, die dank den großzügigen Räumlichkeiten der Lutherkirche zwar dicht beieinander lagen, aber akustisch gut getrennt waren. Ich ging mit einem Teil der Jungbläser zur Zukunftsmusik, fortgeschrittenere Jungbläser und zwei „große“ zu Richard Roblee und meine Frau zu Gustav Gunsenheimer.

Alle Workshops kamen gut an.

Das bewährte Team Zukunftsmusik sorgte beim Nachwuchs mit einem abwechslungsreichen Mix aus Blasen, Bewegen und Rhythmuseinlagen für gute Laune. Selbst mit ganz frischen Anfängern gelang es uns, „Wickie“ vierstimmig auf große Fahrt zu schicken, während die etwas fortgeschritteneren den „Blues for Youngsters“ meisterten.

Richard Roblee brachte seiner Gruppe das Wesen des Swing näher und machte mit seiner Stückeauswahl Lust auf mehr. Dabei brachte der seit vielen Jahren in Deutschland lebende Amerikaner auch so ungewöhnliche Vergleiche wie: „Die Schwarzen zieht es zu den Weißen“, um zu verdeutlichen, dass die Achtelnoten zu den Halben hinführen sollen. Aber es wurde nicht nur erklärt, sondern auch gesungen und vor allem aus seinen Sätzen geblasen. Das machte so viel Freude, dass gleich noch ein paar Noten von ihm erworben wurden.

Gustav Gunsenheimer stellte sein Lebenswerk vor und offenbarte interessante Details zur Entstehung mancher seiner Stücke.

Jürgen Hahn, bei dem ich ohne meine Ausbilderpflichten sonst mitgemacht hätte, leitete hoch konzentriert und mit kleinen Gesten sein Workshop-Ensemble zu feinem Jazz, was ich in meinen Pausen genießen konnte.

So verging die Zeit bis zum Abendessen wie im Flug. Bei den Jungen herrschte Partystimmung wie beim Jungbläserlehrgang und die Großen tauschten sich über Noten und Tonträger aus, die sie erworben hatten. Nun hätte der Tag eigentlich schon enden können, aber es gab noch ein absolutes Highlight zum Abschluss:

Das Konzert mit Richard Roblees „Very Little Bigband“ und Johannes Kunkels Auswahlchor „BiHuN“.

Beim ersten Stück, das bezeichnenderweise „Spiel mit uns!“ hieß, konnten sogar alle die wollten mitspielen. Im weiteren Verlauf des Konzerts bekamen wir Zuhörer dann noch von den beiden Musikgruppen im Wechsel und gemeinsam ein beswingt-jazziges Konzert mit atemberaubenden Soli zu hören.
Wenn Jürgen Hahn in die Musik versunken mit geschlossenen Augen die Finger über die Ventile fliegen lässt oder der Trompete ganz unorthodoxe Klänge entlockt. Wenn Richard Roblee seine Posaune so leicht, locker und hoch wie eine Trompete spielt und man nur an seiner Gesichtsfarbe merkt, dass das vielleicht doch anstrengend ist.
Wenn Frank Diederich mit seiner Tuba zu tanzen scheint und dabei ein Tempo in seinem Solo anschlägt, dass man kaum glauben mag, dass es sich um eine Tuba handelt und als krönenden Abschluss, als Mathias Grabisch mit seiner Posaune nicht nur virtuos zwischen der Tiefbass- und der Sopranlage wechselte, sondern sogar zweistimmig spielte. Damit war der Tag nun endgültig zu Ende und erfüllt von all den Endrücken reisten wir heim.

Am Sonntag dann wurden die Zurückkehrenden von Turmbläsern begrüßt, bevor alle zur gemeinsamen Probe für den Abschlussgottesdienst gingen.

Die Probe begann mit einer kleinen Andacht vom leitenden Obmann des EpiD und danach machte sich Johannes Kunkel in seiner fröhlich lockeren Art daran, aus den vielen die Kirche füllenden Bläsern einen Posaunenchor zu formen. Dabei wurden dann auch gleich noch einige der Situation geschuldete Dynamikanpassungen in den Stücken vorgenommen. Dann kamen die Jungbläser wieder dazu, die eigene Beiträge für Beginn und Abschluss des Gottesdienstes eingeprobt hatten. Neben ihren „normalen“ Instrumenten kamen, wie bei der Marktmusik, auch wieder Vuvuzelas, Tonnen und Stöcke zum Einsatz.

Die Predigt schachtelte sich zwischen die von uns geblasenen Strophen von „Du meine Seele, singe“ und rankte sich wie der gesamte Gottesdienst um die Musik, in dessen Verlauf wir nicht nur ein Schofar zu hören bekamen, sondern auch aus Tang-Schwimmkörpern gefertigte „Naturvuvuzelas“. Mit Vuvuzelas und einem furiosen „Masithi Amen“ endete denn auch der Posaunentag 2010 in Wiesbaden.

Ein Wiedersehen zum nächsten Bezirksposaunentag wird es dann 2014 auf der anderen Rheinseite geben und 2016 beim nächsten deutschlandweiten Posaunentag.

Stefan Daniel
Posaunenchor Burgholzhausen