Beide Bezirke
Südnassau Rheinhessen



Rundschreiben November 2013

Der Vorsitzende hat das Wort (Nr. 4) – 21.11.2013

Liebe Bläserinnen und Bläser, liebe Chorleiterinnen und Chorleiter.
Ist das Posaunenwerk (EKHN) noch zu retten?

Diese provokante Frage stellt sich mir nach dem Lesen vieler Protest-Kommentare zum kontrovers diskutierten Thema: „Streichung“ von Landesposaunenwartstellen im Posaunenwerk der EKHN.

Nach Bekanntwerden eines Schreibens vom 18. Juli 2013, verfasst durch den Kirchenpräsidenten und gerichtet an den Vorsitzenden des Posaunenwerks brodelt es heftig an der Bläserbasis und hat inzwischen über die Landeskirchengrenzen hinaus zu einigen Protestaktionen geführt.
Einer der Auslöser in diesem Kontext ist die Aussage (Zitat):
„Die Kirchenleitung hat … beschlossen: Die drei LPW-Stellen werden mit einem gebündelten kw-Vermerk (künftig wegfallend) versehen, der bei zwei der drei Stellen bei Eintritt in den Ruhestand bzw. bei einem Stellenwechsel greift. Langfristig soll deshalb eine landeskirchliche hauptberufliche Stelle für Posaunenchorarbeit – analog zu allen anderen kirchenmusikalischen Bereichen der EKHN – fortgeführt werden.“

Als ordentliches Mitglied des Landesposaunenrats sehe ich mich in der derzeitigen Situation aufgefordert, in zentralen Punkten Stellung zu beziehen zu den publizierten, teilweise falschen Aussagen, Halbwahrheiten und tendenziell emotionalen Kommentaren im Internet.
Aus meiner Sicht bedauerlich, dass auf der Homepage des Posaunenwerks bisher keine offizielle Verlautbarung zu den Aktionen und den Sachverhalten zu lesen ist – dies wäre im Sinne einer aktuellen Außendarstellung und Aktualitätsgründen wichtig, hier eine klare Position zu beziehen.

Vor mir liegt ein Informationsblatt mit einem Aufruf zur einer Bläseraktion mit Übergabe einer Petition am 20.11.13 in Frankfurt, dem Tagungsort der diesjährigen EKHN Synode.
Keine Autorenangabe, kein Publikationsdatum, kein V.i.S.d.P.
Unter anderem wird der Name unseres Landesposaunenwarts öffentlich genannt, seine Meinung missbilligt und sein Verhalten kritisiert und negativ kommentiert.
Dieses Pamphlet erinnert mich fatal an Zeiten im Landesposaunenrat in der andersdenkende LPR-Mitglieder mehrmals öffentlich diffamiert wurden.
Ich bedauere, dass sich Bläser dieses rechtswidrigen Stils bedienen.
Im Text selbst finden sich Falschdarstellungen, die die Unkenntnis des Verfassers im konkreten Themenbereich belegen.

Zunächst gilt aber festzuhalten:
Allen drei Landesposaunenwarten wurde schriftlich zugesichert, dass sie ihre Tätigkeit bis zu ihrem Ruhestand oder beruflicher und persönlicher Neuorientierung ausüben dürfen. Losgelöst davon werden unsere Landesposaunenwarte aufgrund ihres Alters ihre Kern-Aufgaben vermutlich noch lange wahrnehmen können.
Die Landesposaunenwarte halten eine Arbeitsplatzgarantie in Händen, die ihnen berufliche Planungssicherheit garantiert – ein sehr bemerkenswerter Vorgang. Millionen anderer Arbeitnehmer und auch ich selbst haben und hatten nie eine solche Zusage.

Alle Landesposaunenwarte können ihre Aufgaben wie gewohnt fortsetzen. Es wird weiterhin Lehrgänge, Auswahlensembles, Bezirks- / Regionalproben, Anfänger- / Chorleiterschulungen und Bläserereignisse geben.
Dem Posaunenwerk wurde bereits ankündigt, dass die jährliche finanzielle Unterstützung der EKHN für das Posaunenwerk gegenüber dem Vorjahr unverändert bleiben soll (vorbehaltlich des Synodenbeschlusses).
Für mich ein deutliches Signal, dass auch die Kirchenverantwortlichen davon ausgehen, dass das Posaunenwerk und die Landesposaunenwarte ihre Vorhaben und Aufgaben entsprechend engagiert weiterführen und dass das bisherige Aufgabenspektrum (ungekürzt) erfüllt wird.
Zum Thema „überregionale“ und landesweite Veranstaltungen muss noch ein klarstellendes Gespräch geführt werden, um vorhandene „Unsicherheiten“ aufzulösen.

In der kürzlich geänderten Stellenbeschreibung der LPW ist die Zuständigkeit für Bläserausbildung, Betreuung von Posaunenchören, usw. klar geregelt, wenngleich auch ungewünschte Änderungen eingearbeitet und Aufgaben weggefallen sind. Zum Beispiel kann nach Auffassung der Kirchenverwaltung ein hauptamtlich angestellter Mitarbeiter der EKHN keine Geschäftsführertätigkeit in einer ehrenamtlich geführten Organisation ausüben.

Für die laufende Zusammenarbeit zwischen EKHN und Posaunenwerk werden seitens der EKHN die Landesposaunenwarte als deren kirchliche Mitarbeiter zur Verfügung gestellt. Die Kirchenmusikdirektorin nimmt die Dienstaufsicht wahr und in einer Dienstanweisung wird gewährleistet, dass die Landesposaunenwarte die Betreuungsarbeit bei den Mitgliedern des Posaunenwerks, den Posaunenchören, durchführen und fördern sowie ihre Tätigkeit in den satzungsmäßigen Organen des Posaunenwerks ausüben können.
Der ehrenamtlich tätige Vorsitzende des Posaunenwerk kann keine Dienstaufsicht gegenüber Angestellten der EKHN wahrnehmen und auch die Landesposaunenwarte können als kirchliche Mitarbeiter kein Stimmrecht in den ehrenamtlich geführten Gremien ausüben, auch wenn dies zuvor anders geregelt war.
Logischerweise muss die Zusammenarbeit zwischen dem Posaunenwerk und der EKHN juristisch (Kooperationsvertrag) geregelt sein.
Sinnvollerweise müssen sich die Landeskirchenmusikdirektorin und der Vorsitzende des Posaunenwerks regelmäßig treffen, um die laufende Zusammenarbeit abzustimmen und Fragen der Aufgabenverteilung und -wahrnehmung zu klären. Der Leitung des Zentrums Verkündigung ist ebenfalls mit eingebunden, da die kirchenmusikalische Verantwortung organisatorisch dort angesiedelt ist.

Die ehrenamtlich geführte Posaunenchorarbeit hat sich jahrzehntelang eigenständig entwickelt. Durch engagierte Landesposaunenwarte, die durch die EKHN bezahlt werden, hat sich die Qualität in Schulung, Ausbildung, Jugend- und Chorleiterförderung deutlich verbessert, was vom Arbeitgeber auch anerkannt wird.
Ein einzelner Landesposaunenwart kann in keinem Fall dem Anspruch der Posaunenchöre in der bisherigen Form, Quantität und Qualität gerecht werden.

Über „Abstriche“ wird man reden müssen, denn an den sinkenden Kirchenmitgliederzahlen und anderer Faktoren kommt man nicht vorbei. Der Landesposaunenrat wird akzeptieren müssen, dass die Personalkosten des Posaunenwerks auf den Prüfstand gestellt werden, wie in jedem anderen Bereich auch.

Schon 2003 wollte der Vorgänger der heutigen Kirchmusikdirektorin, das Thema „Personal“ problematisieren.
Es gelang aber durch die damalige Einigkeit im Landesposaunenrat und den guten Begründungen seiner Mitglieder, angedachte Änderungen (Planstellenkürzungen) „abzuwehren“.
Wenn es also heute gilt, dem angekündigten zukünftigen Stellenabbau entgegen zu treten, müssen wir leider zur Kenntnis nehmen, dass der Landesposaunenrat durch die jahrelangen internen Streitigkeiten und durch politisch unkluges und nicht professionelles Verhalten der letzten Vorsitzenden leider geschwächt ist. Dies blieb der Kirchenverwaltung nicht verborgen und hat dem Ansehen des LPR enorm geschadet. Deshalb muss intern dafür gearbeitet werden, das wir als Verhandlungspartner wieder ernst genommen werden – eine schwierige Aufgabe für den derzeitigen Vorsitzenden des Posaunenwerks.

Dieses Bemühen wird nun auch noch zusätzlich belastet durch fragwürdige Aktionen und Initiativen von Posaunenchören und Bläsern, die sicher ein berechtigtes Anliegen haben, denen aber fundierte Kenntnisse der Funktionszusammenhänge, Verantwortlichkeiten, Organisationsstrukturen und Zuständigkeiten in der EKHN fehlen.
Solch unprofessionelles Verhalten kann nur Schaden anrichten.

Leider haben die vielen Aktivitäten im Internet dazu beigetragen, dass einzelne LPR-Mitglieder inzwischen bereits Partei bezogen haben, sodass von einer notwendigen Einigkeit im LPR in dieser Sache nicht mehr die Rede sein kann.

Ich befürchte noch Schlimmeres: Die Bezirke Südnassau und Rheinhessen wurden explizit öffentlich gemaßregelt, weil sie sich angeblich nicht an der Unterschriftenaktion (Petition) beteiligt hätten (was nebenbei nicht zutrifft). Als rheinhessischer Bezirksvorsitzender nenne ich dies: „Brunnenvergiftung“ – auch das wird nicht ohne Folgen bleiben.

Zurück zum Thema: Planstellenreduzierung.
In 2003 wurde damals argumentiert, dass es angeblich nicht nachvollziehbar sei, dass der zahlenmäßig erheblich größere Chorverband von einem Referenten erfolgreich betreut würde, das kleinere Posaunenwerk jedoch dazu 3 Personen benötige.
Dass man nicht Äpfel mit Birnen vergleichen darf, wollte schon damals die kirchenmusikalische Leitung nicht einsehen.
Die Problematik dieses nach wie unzulässigen Vergleichs ist in Zeiten der immer weniger werdenden finanziellen Mitteln der Landeskirche wieder im Gespräch.

In der EKHN bzw. dem Chorverband sind derzeit mehr als 600 Mitgliedschöre organisiert mit ca. 16.000 Sängerinnen, Sängern, Dirigenten usw.
Dem Posaunenwerk der EKHN gehören rund 280 beitragszahlende Posaunenchöre an mit ca. 3400 Bläserinnen und Bläsern.
Es wird angesichts dieser Zahlen schwierig werden, die EKHN-Verantwortlichen zu überzeugen, dass die Argumente von damals nach wie vor auch noch heute ihre Gültigkeit haben.
Die Posaunenarbeit ist und bleibt mit der Chorarbeit nach wie vor nicht vergleichbar.

Den heutigen Dekanats- und Propsteikantoren, deren Verantwortungsspektrum – so kann man unterstellen – verstärkt „aufgebohrt“ werden soll, ist die Bläserarbeit in der Regel fremd und von den Stelleninhabern zum Teil auch nicht gewollt.
Eine diesbezügliche Neuorientierung bzw. „Umbau“ der bestehenden Strukturen wird den EKHN-Verantwortlichen sehr viel Überzeugungsarbeit abverlangen und auch das funktioniert nicht von heute auf morgen.
Vermutlich wird man aber diesen Veränderungsprozess dennoch ventilieren. Wenig bekannt ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass die in der EKHN tätigen Kantoren bereits schon seit fast 10 Jahren für die Aus- und Weiterbildung von Nachwuchskräften verantwortlich sind.

Aufgabe des Landesposaunenrats wird es mittelfristig sein, den „kw-Vermerk“ (künftig wegfallend) zum Anlass zu nehmen, die Verhandlungen mit den kirchenmusikalisch Verantwortlichen über die zukünftige Posaunenarbeit aufzunehmen. Auch dies wird Zeit kosten, gilt es doch, die vor Jahren angesprochenen Argumente aufzugreifen, gegebenenfalls neu zu definieren und die Entscheidungsbefugten zu überzeugen.

Der Kirchenpräsident hat bereits das Zentrum Verkündigung mit einer Konzeptionsentwicklung beauftragt.
Wir, der Landesposaunenrat, sind eingeladen zur Mitarbeit an dieser „Neustrukturierung“ der Bläserarbeit.
Hier wird es wichtig sein zu verstehen, was die EKHN-Verantwortlichen unter Mitarbeit verstehen. Skepsis ist angebracht, ob wir tatsächlich eine berechtige echte Chance bekommen, auch Einfluss auf ein mögliche Neugestaltung der Bläserarbeit zu nehmen – wir werden sehen.
Nüchtern betrachtet steht am Ende der Verhandlungen sicher nicht die ersatzlose Streichung des „kw-Vermerks“.

Wichtig ist und bleibt es auch in Zukunft, die qualifizierte Bläserausbildung und Jugendarbeit sicherzustellen. Dies ist Aufgabe des Landesposaunenrats, mehr noch, seine Pflicht. Dazu bedarf es eigentlich eines „unbelasteten“ Verhandlungsklimas, dass die Bereitschaft der EKHN-Verantwortlichen aufbaut, vielleicht auch über den eigenen Schatten zu springen und getroffene Entscheidungen neu zu überdenken.

Die Protestaktionen, können wir nicht (mehr) verhindern. Es wäre aber klug gewesen, sich zunächst einmal sachkundig zu machen und nicht mit Halbwissen, Unkenntnis (Wer entscheidet was?) und emotional gesteuert eine „Brechstangenpolitik“ zu initiieren und damit den LPR-Mitgliedern die Chance zu nehmen, möglichst unbelastet in Verhandlungen zu treten.

Angesichts der erkennbaren Verärgerung und des Unverständnisses unserer Verhandlungspartner in der EKHN wird es das Posaunenwerk viel Mühe kosten, die Voraussetzungen für konstruktive Verhandlungen zu schaffen.

Ich persönlich hoffe, trotz aller Fragezeichen, die nunmehr im Raum stehen, dass das Posaunenwerk und seine Funktion „noch zu retten ist“ und es möglich sein wird , den angerichteten „Scherbenhaufen“ wieder zusammen zu fügen.
Insofern möchte ich das Kürzel „kw-Vermerk“ (künftig wegfallend) auch umdeuten in „kann wegfallen“ – heißt: kann, muss aber nicht …

Herzliche Grüße,

Hans-Georg Lachnitt

Posaunenwerk der EKHN, Bezirk Rheinhessen
Vorsitzender: Hans-Georg Lachnitt
E-Mail: HLachnitt@aol.com
21.11.2013


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