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Tote Tüte bei Jürgen Pfiester

plakat „Es haben sich nur vier Leute angemeldet.” O je, dachte ich, Tote Hose, Nachwuchsausbildung kann wohl nicht mit bläserischen Themen konkurrieren. Ob wir überhaupt blasfähig sind?

Es kam dann aber ganz anders. Schließlich hatten sich zwölf Leute zum Workshop „Nachwuchsausbildung” bei Jürgen Pfiester versammelt. Zu Beginn stellte Jürgen Pfiester, der vor allem als Komponist und Arrangeur für Posaunenchöre und andere Blechbläser-Ensembles bekannt ist, einige Choralsätze mit Jungbläserstimmen vor. Das sind Stimmen, die einfach zu spielen sind, zum Satz dazupassen, aber nicht zur Vollständigheit benötigt werden. Eine gute Idee - veröffentlicht werden diese Sätze aber erst, wenn die Sammlung größer geworden ist.

Die Hauptsache bei diesem Workshop war aber nicht das Blasen, sondern das Gespräch. In ruhiger, entspannter Atmosphäre wurden Erfahrungen ausgetauscht und Fragen und Probleme bei der Nachwuchsausbildung behandelt. Da doch einige erfahrene Ausbilder beisammen waren, konnte jeder noch ein paar Tricks lernen. Behandelt wurden Fragen wie

  • „Wie bringt man jemanden dazu, richtig tief einzuatmen?” (Finger zwischen die ge÷ffneten Lippen. Keine Ahnung warum, aber es funktioniert.)
  • „Wie erklärt man, was Stütze ist?” (Auf den Boden legen, schweres Buch auf den Bauch, muß auch beim Ausatmen oben bleiben. Wie schwer das ist, wurde bei den Demonstrationen deutlich.)
  • „Wie beendet man einen Ton?” (Nicht durch 'k', 't' oder 'p', sondern offen lassen. Zum Üben empfahl Jürgen Pfiester die Worte „Tote Tüte”, die eben nicht wie Tot-tet Tüt-te ausgesprochen werden.)
Auch wurden verschiedene Schulen verglichen. Jürgen Pfiester stellte sein Heft „Spielwiese” vor, das sehr leichte bis mittelschwere Stücke enthält. Dabei legt er Wert auf frühzeitiges mehrstimmiges Zusammenspiel. (Im Unterschied zur Schule „Zwo - Drei - Vier”, wo meistens in der hohen und der tiefen Oktave dieselben Stimmen gespielt werden.) Auch enthält die „Spielwiese” ein ausführliches Einblasprogramm. Sie ist, wie die meisten anderen Schulen, vor allem für Trompeten und Posaunen geeignet, Hornanfänger haben es schwer, eine geeignete Stimme zu finden. Exemplarisch durften wir Stücke der verschiedenen Schwierigkeitsstufen einmal anblasen. Übrigens wird noch ein Manko der Posaunenchorliteratur durch die „Spielwiese” behoben: Es gibt einen einfachen, gutklingenden Satz zu „Happy Birhtday”!

Noch ein Problem beschäftigte die Teilnehmer: Wie erklärt man Trompetenschülern, daß im Posaunenchor in C und sonst fast überall in B gelesen wird? Einig war man sich, daß Trompetenschüler (zumindest diejenigen, die noch woanders spielen wollen, am besten aber alle) möglichst frühzeitig „beide Arten von Trompetennoten” spielen lernen sollten.

Zur Auflockerung und zum Abschluß brachte Jürgen Pfiester noch ein paar schwierigere Stücke mit, bei denen das Blasen richtig Spaß machte. Es zeigte sich, daß die Gruppe sehr wohl blasfähig war! Übrigens: Auch zum Erklären von Swing-Achteln kann man die „Tote Tüte” einsetzen! Somit war der Pfiester-Workshop keineswegs Tote Hose, sondern ein schöner Beginn des Posaunentages!

Ulrike Klein