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Landesposaunentag 2004 - Swing-Workshop bei Enrique Crespo

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    Zusammen vibrieren

    Um Fehlinterpretationen vorzubeugen: Es geht hier nicht um Bauarbeiten mittels Preßlufthammer oder einen Zustand, den der Comic-Kater Tom einnimmt, nachdem ihm sein Comic-Maus-Gegner Jerry gegen eine Bratpfanne laufen läßt oder in ein Gummiseil einspannt. Der folgende Bericht handelt vom Posaunenchor. Aber auch nicht von einer Probe im ungeheizten Raum im Winter!

    Ich will über den Workshop „Swing”, den Enrique Crespo am Landesposaunentag in Gießen gehalten hat, berichten. Ursprünglich entschied ich mich für den Mendelssohn-Workshop, doch nachdem feststand, daß Prof. Richard Roblee den Swingworkshop leiten würde, habe ich mich spontan hierfür entschieden. Die Gelegenheit, einmal mit Richard Roblee zusammen zu arbeiten, wollte ich mir nicht entgehen lassen. Das dachten scheinbar viele Bläser, denn der Workshop mußte wegen der großen Zahl der Anmeldungen (ca. 200!) dreigeteilt werden.

    So kam es, daß ich nicht bei Roblee landete, sondern bei Enrique Crespo, dem Leiter von „ German Brass”. Sicher werden Sie fragen was er da mit den Posaunenchorbläsern so anstellt. Und klappt das, ein Profi von Weltrang arbeitet mit Laien aus ev. Posaunenchören? Ich kann Ihnen sagen: Es klappte! Wir übten einen Satz von „Down by the riverside” ein (der Satz stammt übrigens aus der Feder des schon erwähnten Richard Roblee!). Spirituales finden ja so nach und nach Einzug in die Welt der Posaunenchöre. Die Zeiten, in denen sich die Literatur der Posaunenchöre auf Bachchoräle und Haußmann-Intraden beschränkte, sind gottseidank lange vorbei.

    Sehr schnell kamen dann ganz typische Probleme - gerade der Posaunenchöre - zum Vorschein (Musikvereine, viele Blaskapellen und natürlich Bigbands beschäftigen sich ja viel mehr mit Musik aus dem Bereich Swing, Pop, Jazz und sind daher hier sicherer): „Der Baß schleppt” - das kenne ich nicht nur von moderner Musik! „die zweite Trompete ist zu früh”, „ihr kommt mit der zweiten Figur zu früh - laßt euch doch mehr Zeit” „ihr seid zu spät”… Das könnte alles auch der Leiter des Mendelssohn- Workshops gesagt haben.

    Aber für viele war es eine neue, auf jeden Fall aber wichtige und leider oft vergessene Erkenntnis, daß Swing und Jazz sehr viel mehr Präzision und Genauigkeit erfordert, als die klassische Musik (die soll natürlich auch nicht unpräzise sein!). Oft meinen wir beim Hören von Swing und Jazz, daß alles so schön locker ist, Akzente und rhythmische Figuren wie zufällig gesetzt werden und es überhaupt nicht so genau drauf ankäme, aber das Gegenteil ist der Fall. Genauigkeit und ganz exakte Einteilung der Zeit müssen hier unbedingt sein. Aber man darf es nicht merken. Stellen Sie sich vor, sagen wir mal Luciano Pavarotti oder meinetwegen Robbie Wiliams würden so singen, daß jeder merkt, wie sehr sie auf Genauigkeit achten und wie sehr sie sich anstrengen müssen, um gut zu sein… Nein, es muß so wirken, als sei es die normalste Sache der Welt, sich nicht anzustrengen und ganz locker gut zu singen. Genau so soll es auch in den Posaunenchören sein.

    Und wenn alle ganz exakt spielen, dann klappt es auch mit dem Nachbarn und der ganzen Gruppe. Schließlich wird nach vielem Proben ein Zustand erreicht, in dem alle Musiker innerlich verbunden sind und die Musik gemeinsam spüren. Wie könnte sonst ein großes Orchester von 60-100 Musikern überhaupt zusammen spielen? Und dieser Zustand wurde von Crespo so formuliert: Man erreicht einen Punkt, an dem plötzlich alle Musiker zusammen vibrieren.

    Axel Manschitz
    Posaunenchor Dieburg und Posaunenchor Beerfelden

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    Synchronisation (30. Oktober 2004)
    von Matthias Klein (
    Mail an Matthias Klein)


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